Globale Sicht auf die Digitalisierung der Bauwirtschaft

Evolution oder Revolution: Eine globale Sicht auf die Digitalisierung der Bauwirtschaft des World Economic Forum (WEF) Davos.

Laut dem World Economic Forum (WEF) Davos ist ein globaler Megatrend auszumachen:

In den letzten zehn Jahren habe der digitale Fortschritt ganze Branchen erfasst und diese von Grund auf verändert. Plattformen und Streaming-Dienste wie Facebook, Spotify und Netflix hätten Medien und Unterhaltung nachhaltig verändert und E-Commerce-Giganten wie Amazon und Alibaba den Weltmarkt erobert. Neue innovative Technologien hätten die Produktivität und Nachhaltigkeit von Unternehmen verbessert und die Fähigkeiten und Kompetenzen für den Geschäftserfolg neu definiert. Ganz im Gegensatz zur Bauwirtschaft, die stehengeblieben sei und ihre Tätigkeit wie in den vergangenen Jahrzehnten fortgesetzt habe. Diese sei nach wie vor stark von Handarbeit, Maschinentechnik und etablierten Betriebs- und Geschäftsmodellen abhängig, analysiert das World Economic Forum (WEF) Davos. Die Konsequenz sei eine stagnierende Produktivität.

Digitalisierung der Bauwirtschaft: Längst keine Zukunftsvision mehr, sondern Realität.

Tatsache ist, dass erst in jüngster Zeit digitale Technologien Einzug in die Baubranche gehalten haben und die Art und Weise, wie geplant, gebaut, betrieben und gewartet wird, allmählich verändert haben. Technologien wie Building Information Modeling (BIM), Vorfertigung, vernetztes Planen und Bauen, drahtlose Sensoren, 3D-Druck und automatisierte und robotergestützte Geräte revolutionieren die Branche mehr und mehr.

Basierend auf den verschiedenen Zukunftsszenarien für die Baubranche, die das World Economic Forum (WEF) Davos zusammen mit 30 bedeutenden Unternehmen aufgrund der globalen Trends entwickelt hatte, zieht das WEF ein deutliches Fazit: vorhandene Fähigkeiten, bestehende Geschäftsmodelle und Strategien genügen den künftigen Anforderungen nicht mehr, um Erfolg zu haben.

„Aktuelle Geschäftsmodelle, Strategien und Fähigkeiten werden in Zukunft nicht mehr ausreichen“, sagt Michael Burke, Chairman und CEO der AECOM und Co-Chair der „World Economic Forum Infrastructure and Urban Development Community“. Und weiter: „Die Akteure entlang der Wertschöpfungskette des Baugewerbes müssen sich strategisch gut vorbereiten, um angesichts der zu erwartenden Turbulenzen erfolgreich zu sein.“

Eine Erkenntnis, die sich auf breiter Basis durchzusetzen scheint: denn bereits 74% der wichtigsten CEOs der Baubranche haben am World Economic Forum (WEF) Davos 2018 die Gewinnung neuer Talente und die Verbesserung der Fähigkeiten der bestehenden Belegschaft als vorrangig eingestuft, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Verbesserung der Integration und Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette (65 %) und die Einführung fortschrittlicher Technologien in grossem Massstab (61 %) waren weitere wichtige Massnahmen, die sie für sich in Betracht zogen.

„Die Entscheidungsträger der Bauwirtschaft sollten die in den Zukunftsszenarien skizzierten Unsicherheiten als Weckruf verstehen und dazu nutzen, eine erfolgreiche Zukunft vorzubereiten und zu gestalten – eine Zukunft, die es der Industrie ermöglicht, ihre Rolle bei der Förderung von Wirtschaftswachstum, sozialem Fortschritt und ökologischer Verantwortung wahrzunehmen“, sagt Luis Castilla, CEO von Acciona Infrastructure und Verfechter der Initiative „Future of Construction“ des World Economic Forum (WEF) Davos.

Das World Economic Forum (WEF) Davos sieht folgende Massnahmen vor, wie sich die Unternehmen der Bauwirtschaft am besten zukunftsfähig machen können – in welche Richtung auch immer die Gesamtentwicklung geht:

Die Gewinnung neuer Talente, die die erforderlichen Fähigkeiten für die neuen digitalen Technologien entwickeln.

Jedes mögliche Zukunftsszenario erfordert Talente mit wesentlich anderen Fähigkeiten als die heutigen. Es müssen adäquate Weiterbildungsprozesse geschaffen werden.

Die Integration und Zusammenarbeit in der gesamten Wertschöpfungskette der Bauindustrie.

Die Bauwirtschaft muss dafür sorgen, dass ein nahtloser Datenfluss und integrierte Systeme in Zukunft gewährleistet sind und nicht mehr behindert werden.

Der Einsatz und die konsequente Nutzung modernster digitaler Technologien.

Die Bauindustrie hat sich nur langsam auf neue Technologien eingestellt. Sie ist nach wie vor stark von Handarbeit und mechanischen Prozessen abhängig, was zu einer schlechten Produktivität führt. Dies muss geändert werden.

Die Maximierung der Nutzung von Daten und digitalen Modellen.

Dies beinhaltet die gründliche Überprüfung bestehender Praktiken und Infrastruktur-Asset-Portfolios, um neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschliessen und ein echtes Change Management zu ermöglichen.

Die wichtigste Schlussfolgerung aber ist die, dass die Unternehmen der Bauindustrie jetzt handeln müssten, um künftige Turbulenzen und Negativentwicklungen zu umgehen. Denn die dramatische Veränderungen am Horizont deuten auf eine ungewisse Zukunft für die globale Bauindustrie und ihre mehr als 100 Millionen Beschäftigten hin. Auch andere globale Megatrends sollten die Unternehmen dazu motivieren, die gewohnten und eingefahrenen Branchenpraktiken zu überdenken: Klimawandel, Ressourcenverknappung, der grösser werdende Mangel an Talenten sowie die rasante Urbanisierung – mehr als 200’000 Menschen ziehen täglich aus ländlichen Gebieten in die Städte – sind nur einige dieser Trends.

Das World Economic Forum (WEF) Davos sieht die Zukunft der Bauindustrie insgesamt aber durchaus positiv: Innerhalb eines Jahrzehnts könnte die vollständige Digitalisierung der Branche helfen, ihrer jahrzehntelangen Stagnation zu entkommen und 12-20% der jährlichen Kosteneinsparungen zu erzielen – nach Schätzungen des World Economic Forum (WEF) Davos immerhin zwischen 1 Billionen und 1,7 Billionen Dollar.

Quelle: World Economic Forum (WEF) Davos